Du überlegst noch, welche Vorteile Sport in der Natur gegenüber Training im Fitnessstudio hat? In diesem Artikel möchte ich dir 5 Gründe nennen, warum ich nach Möglichkeit lieber draußen trainiere.

Erstens: Du hast deine Ruhe

Damit meine ich nicht, dass das Training draußen in der Natur gemütlicher ist oder sein sollte. Nein, das Training „outdoor“ ist unter Umständen sogar anspruchsvoller und anstrengender als im Studio.

Wenn du aber draußen, idealerweise auf einer Wiese, an einem Feldweg oder im Wald ein Training absolvierst, kannst du dich völlig auf dich konzentrieren.

Es gibt keine störenden Einflüsse wie andere Trainierende, die ein Gerät blockieren. Es gibt keine krachend fallenden Gewichte, auch keine dröhnende Musik (außer du trainierst mit Kopfhörern, aber dann kannst du die Musik immerhin selbst aussuchen). Es gibt niemanden, der dir sagt, was jetzt zu tun oder zu verbessern ist. Das setzt allerdings voraus, dass du die Übungen, die du machen willst, auch sicher beherrschst.

Du selbst bist da draußen das einzige, auf was es in diesem Moment ankommt. Volle Konzentration auf die Übung, die gerade ansteht. Du spürst die Muskeln, die gerade arbeiten. Das einzige, was du hörst, ist dein Atem und vielleicht das Rauschen des Windes, ein paar Vögel oder das Zirpen der Grillen im Sommer.

Wenn ich für eine Trainingseinheit auf dem nahegelegenen Wald-Sport-Pfad bin, kann ich alle anderen Einflüsse ausblenden. Durch die leisen Geräusche der Natur, knarzende Bäume, das leise Hämmern eines entfernten Spechts, komme ich in eine so gute Konzentration, wie es mir im Studio nicht möglich ist.

Diese psychische Erholung während eines trotzdem anstrengenden Workouts hält meist sogar noch einige Stunden später an, womit insgesamt dein Stresslevel gesenkt wird. Sozusagen natürliche Meditation in Bewegung. Dass ein so verringertes Stressniveau nicht nur die allgemeine Lebensqualität verbessert, sondern auch die Effektivität des Trainings positiv beeinflusst, ist beinahe überflüssig zu erwähnen.

Zweitens: In der freien Natur wird deine Kreativität angeregt

Wenn du in der Natur Sport treibst, musst du zwangsläufig kreativer als im Fitnessstudio werden. Es gibt draußen keine Maschinen, die dir die Bewegung genau vorgeben, kein Squat-Rack, aus dem du „bequem“ die Hantel heben kannst, und auch keine minimal abgestuften Hanteln.

Du musst dir genau überlegen, welchen Muskel du trainieren willst, und mit welcher Übung du diesen effektiv triffst. Die Körpergewichtsübungen, die ohne Eqipment durchführbar sind, bedürfen meist außer entsprechender Kraft auch einer guten intermuskulären Koordination. Sie belasten meist nicht nur eine Körperpartie maximal, sondern einen großen Teil des Körpers weniger spezifisch. Deswegen ist es damit auch schwieriger, große Muskelzuwächse an einem bestimmten Muskel zu erzielen. Dennoch kann mit verschiedenen Variationen und Intensitätsstufen auch mit einem körpergewichtsbasierten Training ein muskulöser Körper aufgebaut werden.

Wenn du dich für bestimmte Übungen entschieden hast, musst du eventuell auch Hilfsmittel in der Natur finden: Eine Klimmzugstange gibt es nicht, also muss ein stabiler Ast herhalten. Pistol Squats können auf einem Baumstumpf erhöht ausgeführt werden, als Zusatzgewicht für Kniebeuge kannst du einen schweren Stein benutzen. Es gibt viele unterschiedliche Möglichkeiten. Es gilt also die Fantasie zu bemühen, dann ist auch in der Natur effektives Krafttraining möglich.

Um dabei etwas weniger dem Zufall zu überlassen, kannst du dir natürlich, wie ich es gerne mache, den nächsten Trimm-Dich-Pfad suchen. Grundübungen wie Klimmzüge, Beugestütze (Dips) am Barren oder Liegestütze, Kniebeuge ein- und beidbeinig sind hier in aller Regel problemlos möglich und damit gerade für noch nicht weit Fortgeschrittene eine ganze Zeit lang ausreichend. Alternativ kannst du natürlich, um ein wenig Studio nach draußen zu holen, mit Hilfsmitteln trainieren. Geeignet sind hierfür z.B. Water-/Sandbags, Widerstandsbänder, Battleropes, Gewichtswesten, Slingtrainer und vieles mehr.

Du siehst, mit Einfallsreichtum kann eine Menge bewegt werden.

Drittens: Mehr Widerstandskraft

Bei einem regelmäßigen Training in der Natur gilt das gleiche, was für alle Aktivitäten im Freien gilt: Die Widerstandskraft des Körpers erhöht sich. Durch die verschiedenen Umwelteinflüsse wie Wind, Regen, Sonne, Wärme und Kälte wird der Körper abgehärtet und weniger anfällig für Krankheiten.

Aber nicht nur die körperliche Widerstandskraft wächst: auch die mentale Stärke wird geschult. Wenn du dir angewöhnst, bei (beinahe) jedem Wetter draußen zu trainieren, wird der bekannte innere Schweinehund immer weiter zurückgedrängt. Die Willenskraft und das Selbstvertrauen steigt; durch widrige Umstände wie Wind, Regen und auch etwas Dreck (ein Wald ist nie blitzsauber, es gibt Erde, altes Laub, Insekten…) verbessert sich auch die Fähigkeit, sich selbst zu überwinden und trotz dieser Umstände seinen Plan durchzuziehen. Selbstverständlich muss dies in einem gesunden Maß stattfinden, es ist niemandem geholfen, wenn du dir eine Unterkühlung oder eine Nieren-oder Lungenentzündung holst. Deshalb muss ganz besonders auch immer ein besseres Körperbewusstsein entwickelt werden.

Viertens: Dem Körper angepasste natürliche Bewegungsformen

Wer in der Natur trainiert, wird in erster Linie auf Körpergewichtsübungen zurückgreifen. Es sind keine Geräte nötig, die man erst umfangreich einstellen muss, oder bei deren falscher Einstellung man sofort Gefahr läuft, sich Verletzungen zuzuziehen.

Ja, auch ein Körpergewichtstraining kann mit falscher Technik ungesund sein, auch hier kann man es übertreiben oder falsche Bewegungen machen. Einen großen Vorteil hat das Ganze aber: deinen Körper kennst du schon recht lange. Du solltest zwar dennoch die Techniken zuerst richtig lernen, lass sie dir gerne auch von erfahrenen Trainern oder Trainingspartnern beibringen.

Dann kann der Körper aber mit angepassten Übungen trainiert werden, die genau dem natürlichen Zweck der Bewegung entsprechen.

Eine Liegestütz ist die natürlichste Form, etwas von sich wegzudrücken. Ein Dip/Beugestütz auf einer Querstange entspricht der Bewegung, sich auf eine erhöhte Ebene hochzudrücken. Eine Kniebeuge ist genau die Bewegung, aus dem Sitzen aufzustehen.

Dazu wird kein Gerät benötigt, das zu einer isolierten Muskelaktion führt. Der Körper wird so bereits in echten Alltagsbewegungen gestärkt.

Fünftens: Kostenlos

Tja, was soll ich hier noch erklären? Ein Training in der freien Natur ist kostenlos, du musst nichts finanzieren, außer vielleicht deine Anfahrt. Du hast dein „Studio“ immer dabei, auch auf Reisen musst du kein extra Gym bezahlen. Wenn du weißt, wie man sich draußen fit halten kann, kann jeder Ort zu deiner Trainingsfläche werden.

Ich hoffe, ich konnte dir einige Inspirationen und Anregungen geben, öfter eine Trainingseinheit in der freien Natur einzulegen. Es kann ebenso anstrengend sein, wie dein Fitness-Studio.

Probiers aus, es lohnt sich!